Die zunehmende Ökonomisierung aller Lebensbereiche, unsere grundsätzliche Zahlengläubigkeit und technischer Fortschritt sowie Trends à la Big Data machen uns schnell glauben, dass Zahlen, Daten, Fakten alleinentscheidende Kriterien sind. Dabei wissen wir längst, dass es die Geschichten zu Produkten, Orten, Marken und Menschen sind, die sie für uns interessant machen und uns nachhaltig begeistern.

Die Geschichte einer Marke als Kaufargument

Die Geschichte einer Marke begeistert uns für die Produkte, wir wollen Teil dieser Geschichte sein, des Charisma, des Unverwüstlichen, des Unbesiegbaren. So etwa beim Heldenepos, das bei Nike mitschwingt zusammen mit den unzähligen Geschichten der berühmten und weniger berühmten Sportler, der Nike-Kunden und –Kundinnen, denen wir unsere eigene hinzufügen möchten. Die Geschichten, man möchte sagen Legenden, die auf einer Harley Davidson erfahren wurden, erfahren werden können, von jedem von uns. Oder man denke an all die Fleckendramen, die Persil gelöst hat.

Es ist seine Geschichte, es sind seine Learnings, seine Visionen, die uns uns für einen neuen Mitarbeiter entscheiden lassen. Und umgekehrt ist es die Geschichte eines Unternehmens, sein Umgang mit Herausforderungen, seine Kultur, sein Selbstverständnis, in dem sich uns präsentiert, das uns uns als Arbeitnehmer für eine Firma entscheiden lässt. Mittlerweile wissen Marken darum und haben ihr Storytelling entsprechend ausgerichtet, lassen ihre Mitarbeiter ihre Geschichte mit dem Unternehmen erzählen. Wir sprechen wir hier von Employer Branding.

Orte und ihre Geschichten: Reiseberichte

Es sind es oft die Geschichten, die uns in ein Land fahren oder einen Ort aufsuchen lassen. Da braucht es dann gar keine eindrucksvolle Sehenswürdigkeit, es kann auch ein verlassenes Fabrikgelände sein, ein sogenannter lost oder abandoned place, ein altes Krankenhaus, eine verrottete Industrieanlage, ein mystischer Ort.

Reiseberichte verbinden seit jeher Orte mit Geschichten. Oft ergänzt um Fotografien und in den letzten Jahren um sogenannte Selfies, die den Erzähler als Helden vor Ort dokumentieren. Aktuell macht eine ganz besondere Beziehung zwischen einem Menschen und den Orten, die er besucht hat, im Internet die Runde: Sam Barsky fotografiert sich selbst, im geschmacklich fraglichen, aber geschichtsträchtigen Strick-Pullover. Die Pullover sind selbst gestrickt und zeigen die markanten Motive des Ortes, wie beispielsweise San Franciscos  Golden Gate Bridge.

Storytelling in Aktion: Urbane Orte

Urbane Orte haben ihren Reiz, durch die Geschichten, die sich tagtäglich an ihnen ereignen. Jetzt und hier und seit Jahren. Die vielschichtigen Bedeutungen und Funktionen, die sie im alltäglichen Leben von unterschiedlichsten Menschen ausfüllen, man denke nur an Markthallen oder Büchereien, Shoppingcenter oder Parks:

“Neben der räumlichen Dimension von Urbanität sind urbane Orte auch durch eine funktionale Dimension charakterisiert. Die Elemente dieser Dimension beschäftigen sich mit den funktionalen Charakteristika des Ortes. Dies beinhaltet die Qualitäten in Bezug auf Lage, Anbindung, Zugänglichkeit und Sicherheit, aber auch die entstandene Mischung der Nutzungen und die Qualität der privaten und öffentlichen Räume. Urbane Orte verfügen über die Begabung, Kommunikation, Aneignung und Identifikation zu fördern.” schreibt Martina Baumann in Ihrer Dissertation zur Funktionalität von Urbanen Orten.

Geschichtsträchtige Orte ziehen uns an, mit den Geschehnissen, die an ihnen passiert sind, ob es sich dabei nun um Tatorte, also Orte krimineller Machenschaften handelt oder Orte, an denen Geschichte geschrieben wurde, die Frankfurter Paulskirche etwa. Orte wie Labore oder Wohnzimmer faszinieren uns, an denen Produkte entwickelt und Probleme gelöst wurden.

 

Welchen Ort nennen Sie Sehnsuchtsort und was ist seine Geschichte? Welche Markengeschichte kennen Sie in und auswendig? Was ist Tradition anders als kumullierte Geschichte?

Links & Plattformen

Maptia, bedient unsere Lust an bildträchtigen Geschichten (englischsprachig), die uns inspirieren und unser Fernweh nähren.

Stories & Places ermöglicht es uns mit dem Cursor auf der Karte durch die Blogosphäre zu surfen und Blogs zu den Orten zu lesen, denen sie gewidmet oder an denen sie verfasst wurden.

Stories about Places kuratiert Geschichten zu Orten, die in verschiedenen (sozialen) Medien auftauchen und bündelt sie auf einer Plattform, die sich abonnieren lässt.