Unser Umgang mit Nahrung, von Nahrungs-Beschaffung über Nahrungsaufnahme und Nahrungszubereitung, ist nicht nur zentraler Teil unseres Alltags sondern Teil unserer Kultur und wird im Rahmen der ausgerufenen Megatrends intensiver diskutiert als je zuvor. Im Zeitalter von Digitalisierung und Urbanisierung stehen hier Veränderung an, die keinen unberührt lassen.

Welche Kriterien gelten für die Schaffung neuer urbaner Orte. Wieviel Kulinarik muss das Konzept beinhalten? Wie kommt ausreichend Nahrung in die Ballungszentren? Welches Angebot wird der Supermarkt der Zukunft in welchen Formaten bereithalten? Und auch: Welche kulturellen Codes werden berührt? Welche gemeinschaftsstiftenden Rituale aufgegriffen oder verändert?

© Computershare Research & Connect

Kein Quadratmeter Stadt ohne kulinarisches Angebot

Tante Emma-Läden gibt es kaum noch, Wochen-Märkte spezialisieren sich zu Bio Märkten, Erzeugermärkten oder verwandeln sich in Streetfoodfestivals, Markthallen mutieren zu Food-Märkten, Touristen-Attraktionen oder Eventlocations. Und umgekehrt: Fashion Stores werden zu Cafés, Einkaufscenter verwandelt ihre Foodcourts in Feinschmecker-Etagen und Spielplätze und Parks wissen um die Wichtigkeit eines attraktiven kulinarischen Angebot. Die Sehnsucht nach im wahrsten Sinne des Wortes nährenden urbanen Orten bleibt. Kein Quadratmeter Stadt ohne kulinarisches Angebot, Snacks und Lebensmittel müssen scheinbar allgegenwärtig verfügbar sein.

Umgekehrt stellt sich die Frage für die Orte, deren Kernaufgabe die Essens-Beschaffung des täglichen Lebens war: Markthallen, Lebensmitteleinzelhandel,  und später dann Discounter wie Lidl und Aldi und natürlich die Supermärkte! Neben dem Liefergeschäft ist es für Rewe, Edeka, Kaufland und Co existenziell, ihr Angebot auf die Bedürfnisse “food-fixierter, erlebnis-hungriger, ernährungsmythen-gebrainwashter” Großstädter anzupassen,Trends zu integrieren und  – Stichwort Smart City, respektive Digitalisierung – ein Angebot bereitzuhalten, das mit den Online-Angeboten in Sachen Convenience Schritt halten kann.

© Bild: Anne Seubert

Food-fixiert, Erlebnis-hungrig, Ernährungsmythen-gebrainwasht

Gleichzeitig beschäftigen sich Soziologen, Stadtplaner und Zukunftsforscher mit dem bigger picture, den Zusammenhängen im Zusammenspiel der unterschiedlichen Stakeholder und ihren Interessen.Schon jetzt lebt weit mehr als die Mehrheit der Weltbevölkerung in Städten, 2050 werden es 75 Prozent sein. Im Wettbewerb um lebenswerte und klug konzipierte Städte muss Deutschland nachlegen, zeigt eine Studie. (via Handelsblatt)

Wie lassen sich die Bewohner der wachsenden urbanen Zentren ernähren? Wie versorge ich eine Stadt mit 20 Millionen, 100 Millionen tagtäglich mit Trinkwasser? Wie stelle ich Qualitätsstandards, Vielfalt und Erschwinglichkeit in Sachen Lebensmittel sicher? Wie sorge ich dafür, dass die Heranwachsenden Erdenbürger wissen, was sie essen wollen / sollen / könnten, woran sie Qualitäten wie  bio, regional, saisonal, verpackungsfrei, gentechnikfrei, erkennen und einordnen können? Wie gestalten wir die Schnittstellen zwischen Verbraucher und Erzeuger? Wie und an welchen Orten findet die Übergabe statt: Wie sieht etwa der Supermarkt der Zukunft aus?

Wie sieht der Supermarkt der Zukunft aus? Wieviel Marke verträgt ein Supermarkt?

Das Supermarktblog ist ein wachsamer Beobachter dieser Entwicklungen. Dieter Hieber in Lörrach ist einer, der einiges ausprobiert, einiges vormacht und anderes weglässt. Er setzt auf die Impulse der Community und kreiert Märkte, in denen der Einkauf von Lebensmittel in immer wieder neuen Resonanzräumen zelebriert wird: Von der eigenen Brauerei bis Streetfood, der hauseigenen Kochschule und überhaupt einem Hieber-Club, der die Marke bis über die Ländergrenzen in die Schweiz hineinträgt. Innovation wird groß geschrieben und – gelebt.

Hieber hat sich entschieden, nicht in den Preisring mit den Discountern zu steigen, stattdessen investiert Dieter Hieber Energie und Kreativität seiner mittlerweile über 200 Mitarbeiter in eine Steigerung von Qualität, Einkaufserlebnis und Mitarbeiter. Dabei ist lokales Engagement ist ebenso gesetzt wie Infotainment und Verführung, Aufenthaltsqualität konkurriert mit Erlebnisangeboten, Beratungsqualität mit Entdeckungsmöglichkeiten, Storytelling mit Überraschungseffekten – Abenteuerspielplatz Supermarkt? Auch Nostalgie darf nicht fehlen und so werden die einzelnen Sortimente auf Bühnen inszeniert, die Marktständen nachempfundenen wurden, sorgfältig kuratiert und mit einem persönlichen Ansprechpartner versehen, der alle Tipps und Tricks bereithäl und sicher auch um sicherzustellen, dass die Person, an der Kasse nicht die einzige ist, mit der der Kunde spricht.

©Hieber Lörrach

PS: Dass das Einkaufen von Lebensmitteln auf dem Land auch ein eigenes, nicht weniger spannendes Thema ist, ist ebenso klar.